Rekonstruktion des ursprünglichen T1000-Entwurfs - Teil 2

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PeGue
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Rekonstruktion des ursprünglichen T1000-Entwurfs - Teil 2

#1 Beitrag von PeGue » 19.01.2026, 12:02

Im ersten Teil habe ich ja die zeichnerische Rekonstruktion des ursprünglichen T1000-Entwurfs von Dieter Rams beschrieben, die dank der Hilfe von Klaus Klemp und dessen Kontakt zu Dieter Rams vergleichsweise einfach und schnell gegangen ist. Weitaus schwieriger gestaltete sich dann die Rekonstruktion des Modells. Als Architekt habe ich zwar einige Erfahrung im Modellbau (Wettbewerbs-, Entwurfs- oder Ausführungsmodelle), aber bei der Rekonstruktion ging es ja darum, ein Ergebnis möglichst nahe am damaligen Modell zu erreichen, und dazu waren u. a. auch einige Bauteile wie Drehknöpfe, Taster oder Wahlschalter für Trommeltuner erforderlich, wie sie beim auch späteren Serienmodell verbaut wurden.

Es war somit unerlässlich, diese Teile entweder einzeln zu besorgen, oder einen alten T1000 auszuschlachten. Ich entschied mich für die zweite Variante, in der Hoffnung, bei einem Gerät dann auch alle Teile zu bekommen. Beim ersten Gerät, dass ich relativ schnell auf einer Plattform fand, bin ich durch eigene Unachtsamkeit auf einen Betrug reingefallen: Geld war weg, kein T1000 bekommen. Nach längerer Suche kam auf derselben Plattform ein geeignetes Gerät, leider zur Selbstabholung. Ich konnte die Verkäuferin zwar zum Versand überzeugen, aber nach Erhalt stellte sich der T1000 als nahezu makellos heraus, und damit ungeeignet zum totalen Ausschlachten, so kam er in die Sammlung. Nach weiterer intensiver Suche gab es dann ein Gerät in schlechtem, aber vollständigen Zustand, sogar noch mit Frontklappe. Somit hatte ich alle gesuchten Teile und konnte sogar noch ein Gerät mit fehlender Klappe vervollständigen.

Diesen T1000 habe ich dann in alle Einzelteile zerlegt, nicht nur Chassis und die Innereien, sondern auch das Gehäuse von allen Alublechen befreit bis auf das Holzgerippe. Erst damit konnte der alte Gehäuseaufbau verstanden und Überlegungen für die Rekonstruktion des "neuen" Gehäuses angestellt werden. Das Gehäuse ist mit Alublechen und Kunstleder verkleidet, deren unterschiedliche Materialstärken bei dem Holzgehäuse mit unterschiedlichen Holzstärken, Fräsungen oder Einschnitte berücksichtigt sind. Da auch bei der Rekonstruktion die Oberflächen wie bei der späteren Serie sein sollten, mussten diese Details beim Rohgehäuse berücksichtigt werden. Nach einigen Überlegungen habe ich mich dazu entschieden, ein Seriengehäuse in der Breite auf das erforderliche Maß zu reduzieren. Mit einem zweiten Ausschlachtgehäuse habe ich dann das Rohgehäuse auf die richtige Höhe gebracht. Abschließend ließ der Rohling schon die neuen Proportionen erkennen.

Gehäuse des Holzrohlings
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Der nächste Schritt war das Innenleben. Dabei habe ich mich rückblickend leider etwas verrannt. Anfangs hatte ich noch überlegt, die Rekonstruktion so zu bauen, dass das Modell im UKW-Bereich noch funktionsfähig ist. Das konnte wegen der Anordnung der Elektronik aber nicht umgesetzt werden. Aber dann wollte ich wenigstens den Chassisrohling weitesgehend noch erhalten, was sich im nachhinein als eine unnötige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme herausstellte, mussten durch andere Regleranordnung doch sehr viele arbeitsintensive Änderungen vorgenommen werden. Abschließend bekam das Chassis eine erste Skalenrekonstruktion und eine Blende für die Bedienelemente aus grauem Karton.

Chassis mit Skala / Bedienblende
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Als Nächstes mussten die Teile für die Verkleidung überlegt werde. Die beiden Seitenteile stellten dabei die größte Herausforderung dar. Mussten sie doch in der Form den Serienteilen entsprechen. Auf der Bedienseite des Trommeltuners konnte dessen Anordnung unverändert übernommen werden. So mussten beide Verkleidungen nur in der Höhe angepasst werden. Dazu wurden beide Bleche um die oberen Rundungen gekürzt und mit entsprechend längeren Elementen aus alten Ausschlachtblechen verlängert, anschließend mehrfach gespachtelt und dann in RAL hellaluminium lackiert. Leider konnte eine Eloxaloberfläche nicht umgesetzt werden, dazu wäre ein durchgehendes Blech erforderlich gewesen. Es ist jedoch fraglich, ob das ursprüngliche Modell eloxierte Seitenteile hatte.

Seitenteile grundiert
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Die Lautsprecherabdeckung aus Lochblech stellte danach keine Probleme dar, die Lochung entsprach entsprechend dem Foto der später in der Serie. Bleche mit dieser Lochung gibt es in verschiedenen Formaten und die Abdeckung konnte passgenau zugeschnitten werden. Eine größere Herausforderung stellte die Blende für die Bedienelemente dar. Ein erster Versuch, die Löcher selber zu bohren, scheiterte kläglich. Die Bohrer wanderten in dem Blech in unterschiedlich Richtungen, was dem optischen Erscheinungsbild nicht besonders zuträglich war. Erst nach längerer Suche fand ich eine Firma im Netz, die das Blech mit den Bohrungen liefern konnte. Die Acrylscheibe für die Skala konnte mit den Bohrungen ebenfalls übers Netz bezogen werden. Die inneren Seitenprofile habe ich aus handelsüblichen Aluprofilen herstellen können. Darin sind aus dem Ausschlachtgerät auch die Drehpunkte und Rastnasen für die Frontklappe integriert. Da keine Fotos von der Rückseite existieren, habe ich eine alte Rückfront in der Breite angepasst und eine Zweite für die verbleibende Öffnung angepasst. Damit waren alle Teile für den Zusammenbau vorbereitet, einzelne Anpass- und Lackierarbeiten waren dann aber immer noch erforderlich.

Übersicht aller unlackierten Einzelteile mit Holzgehäuse
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Übersicht aller unlackierten Einzelteile mit Rückwand
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Danach konnte der erste Zusammenbau probehalber erfolgen, um die Passgenauigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls noch erforderliche Korrekturen vorzunehmen. Im oberen Bild ist noch das erste Alublech für das Bedienfeld ohne Lochung und ohne Lautsprecherverkleidung.

Probehalber Zusammenbau mit T1000
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Probehalber Zusammenbau
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Nachdem alle Teile maßgenau angepasst waren, konnten die restlichen Lackierarbeiten erfolgen. Anschließende wurde das Holzgehäuse an Ober- und Unterseite mit Kunstleder bezogen und danach erfolgte der finale Zusammenbau. Wie auch beim ursprünglichen Modell gibt es keine Beschriftung der Drehregler, Taster oder Buchsen. Die stand wohl im damaligen Entwurfsstand noch nicht fest.

Fertiges Modell
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Fertiges Modell
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Fertiges Modell
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Fertiges Modell
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Fertiges Modell mit T1000
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Abschließend blieb es noch, die auch in dem alten Foto erkennbare Frontklappe zu rekonstruieren. Da es auch hierzu keine Angaben außer dem alten Foto gab, wurde lediglich ein glattes Blech an der Unterseite entsprechend der Gehäuseform umgebogen. Oben erhielt es beidseitig Winkel für die Rastnippel. Ob wie im Serienmodell in der Klappe bereits ein Fach für die BDA vorgesehen war, ist nicht bekannt und blieb bei der Rekonstruktion unberücksichtigt.

Rekonstruktion mit geschlossener Klappe
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Rekonstruktion mit offener Klappe
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Im vergangenen Herbst gab es dann Gelegenheit, das fertige Modell Herrn Klemp und seinen Mitarbeiterinnen von der "rams-foundation" vorzustellen. Es fand dort beachtlichen Anklang und Herr Klemp hat bereits nachgefragt, ob für eine mögliche neue Rams-Ausstellung das Modell zur Verfügung stehen würde. Und von Dieter Rams kam über Herrn Klemp die Rückmeldung (Zitat) "Dieter fand Ihre Rekonstruktion des "T 1000 hoch" sehr gelungen und hatte nichts daran auszusetzen. Das ist bei ihm schon ein besonderes Lob." Nach über einem Jahr, die ich an der Rekonstruktion mit Pausen gesessen habe, war dies dank der Mithilfe von Herrn Klemp ein überaus erfreulicher Abschluss des Projekts.

Zur Zeit gibt es Überlegungen, den T1000 zum TV portable zu rekonstruieren. Auch diese Modell existiert leider nicht mehr, der TV steht im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt. Doch dazu bei Gelegenheit mehr.

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Niko1U
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Re: Rekonstruktion des ursprünglichen T1000-Entwurfs - Teil 2

#2 Beitrag von Niko1U » 19.01.2026, 19:45

Sehr schönes Modell. Das Lob von Herrn Klemp, seinen Mitarbeitenden und Hern Rams ist natürlich auch mega. Alle Achtung!
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tomjorg
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Re: Rekonstruktion des ursprünglichen T1000-Entwurfs - Teil 2

#3 Beitrag von tomjorg » 20.01.2026, 10:30

STARK!!!

:respekt:
Suche: Innendekoration (Stiftablage etc.) für VITSOE Rollcontainer Korpusprogramm 710 und die Aluschalen für Vitsoe Schreibtische bzw. Doppeltablare. Eventuell auch Tausch gegen diese schrägen Alu-Blattabteiler in den Schubladen.

andreas schnadt
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Re: Rekonstruktion des ursprünglichen T1000-Entwurfs - Teil 2

#4 Beitrag von andreas schnadt » 20.01.2026, 12:52

:respekt: Eine tolle Arbeit!
Gruß Andreas
Viel Freude beim Hören !

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