Braun Schriften

Allgemeines zu den Themen Bauhaus, HfG Ulm usw.
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Stefan83
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Braun Schriften

#1 Beitrag von Stefan83 » 29.04.2018, 11:03

Als Typografieinteressierter möchte ich hier kurz meine Erkenntnisse in Sachen Braun Schriften teilen. Über die Jahre gab es selbstverständlich eine Evolution im Bereich der verwendeten Schriften. Mein Wissen stammt aus design-geschichtlichen Büchern, aus der Internetrecherche, aus Ableitung von Abbildungen. Bitte korrigiert mich also, wenn ich falsch liege.

Grundsätzlich steckt natürlich viel HfG Ulm in der Gestaltung für Braun. Für den Bereich „Visuelle Kommunikation“ war Otl Aicher als Mitgründer der Hochschule für Gestaltung federführend. Auf der Produktseite Hans Gugelot, aber das lasse ich jetzt außen vor.

Für die Werbeunterlagen Ende der 1950er/Anfang der 60er Jahre wurde die Schriftmischung aus „Akzidenz Grotesk“ (für Überschriften) und der „Folio“ für die Fließtexte verwendet.

Die Beschriftungen der Gehäuse der 50er/60er haben keine einheitliche Ausführung. Hier kann von Skizzen adaptiert worden sein, oder auch alte Schriftmuster als Basis gedient haben. Ich habe eine kleine Übersicht der angesprochenen Schriften zusammengestellt. Vielleicht kann der ein oder andere diese Infos gebrauchen für künftige Projekte wie z.B. einer Restaurierung. Manchmal sind die Ziffern in einer anderen Schrift ausgeführt als die Bezeichnungen.

Beim Sk4 wurde scheinbar eine überarbeitete und handgezeichnete Version der „Kristall-Grotesk“ aus dem Jahr 1936 von Wagner & Schmidt aus Leipzig verwendet. Diese ist inzwischen als „Uni Grotesk“ bei der Typotheque erhältlich. Später wurde diese Schrift durch die „Akzidenz-Grotesk“ bzw. „Folio“ ausgetauscht. Es kommt vor, dass Adrian Frutigers Schrift „Univers“ fälschlicherweise als Gehäuseschrift angegeben wird. Trivia: Otl Aicher verwendete sie jedoch als Hausschrift für die Olympischen Spiele 1972.
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gstae
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Re: Braun Schriften

#2 Beitrag von gstae » 29.04.2018, 12:29

hallo stefan,
es wurde auch in der kommunikation, bei einigen geräten
und bei uhren die von Max Miedinger entworfene "Helvetica" der
Haas´sche Schriftgießerei, heute bei Linotype, verwendet.
gruß
günter

Stefan83
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Re: Braun Schriften

#3 Beitrag von Stefan83 » 29.04.2018, 14:04

Hallo Günter,
ja, die gute alte „Helvetica“. Das kann ich mir gut vorstellen, dass sie verwendet wurde...

Otl Aicher hat die „Helvetica“ z.B. beim Gestaltungsprojekt der Lufthansa verwendet. Die Schrift hieß eigentlich „Neue Haas Grotesk“ und entstand in Basel bei der Haas’schen Schriftgießerei. Da damals gerade das „Schweizer Design“ in aller Munde war, wurde versucht die Vermarktung der Schrift in Deutschland durch einen anders klingenden Namen anzukurbeln. So schlug Vetriebler Heinz Eul vor, die Schrift bei der Schriftgießerei D. Stempel in Frankfurt unter „Helvetia“ ins Programm zu nehmen. Sein Chef Erich Schultz-Anker packte das „c“ in den Namen und macht zusammen mit ihm die „Helvetica“ daraus. Ziel: Die Dominanz der „Akzidenz-Grotesk“ von Berthold und der „Folio“ der Bauer’schen Gießerei zu schwächen.

Chrischi
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Re: Braun Schriften

#4 Beitrag von Chrischi » 30.09.2018, 16:43

Interessant, Bang und Olufsen hat in den 80ern auch die Helvetica verwendet.

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