mal ein alter schuhkarton brAun 4547w mottenkiste

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Buggy
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mal ein alter schuhkarton brAun 4547w mottenkiste

#1 Beitrag von Buggy » 04.06.2021, 22:16

über ein paar irrige wege -
seit jahren stand ein 4650 inkl schlachtobjekt in der ecke - er wollte aber nicht wirklich auf die werkbank....
nun hatte er es geschafft und zog im nachgang einen 550w auf dieselbe.
da die beiden geräte doch eher nach brot und butter aussehen und mir noch kein 739w übern weg lief brachte ich mal einen
schuhkarton zum spielen.
Bild

baujahr wohl nach ersten recherchen ab 1947.

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bei meinem ist statt der az1 eine az11 verbaut (anscheinend ab werk oder zumindest schon ziemlich lange) und eine netzumstellung auf 240 volt möglich.
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einer der beiden 32uf türme wurde mal gegen einen 8uf getauscht und auch sonst erhielt er einige unpassende ersatzteile im laufe seines daseins.
die im netz zu findenden schaltpläne scheinen alle identisch - danach gerichtet läuft er erstmal. für die innere optik fehlt noch ein turm :D
äußerlich darf er so bleiben hat sich gut gehalten, :D
frei nach k. ebstein: im leben geht manchmal was daneben.

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henry2
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Re: mal ein alter schuhkarton brAun 4547w mottenkiste

#2 Beitrag von henry2 » 05.06.2021, 16:46

Meine Devise: Schuhkartons forever! Da hattest Du ja eine ziemlich interessante Kiste auf Deiner Werkbank. Interessant deshalb, weil sie gleich zwei Kuriositäten enthält.

Erste K: Die Gleichrichterröhre AZ1 bzw. AZ11 ist eigentlich für eine Zweiweggleichrichtung vorgesehen. Weshalb man hier durch die Parallelschaltung der beiden Anoden eine Einweggleichrichtung mit all ihren Nachteilen gebastelt hatte, kann ich nicht ganz verstehen. Sicherlich sparte man etwas am Trafo, aber der war - im Gegensatz zur heutigen Zeit – damals nicht der maßgebliche Kostenfaktor. Das waren vielmehr die Röhren und dicken Elkos.

Hätte man eine Zweiweggleichrichtung realisiert, so würde man es automatisch mit einem Trafo mit getrennten Primär- und Sekundärwicklungen zu tun haben, bei dem man nicht (je nach Netzstecker-Richtung) Gefahr gelaufen wäre, sich beim Anschließen bzw. Berühren der Erdungsanschlüsse (Erde oder TA) einen Stromschlag einzuhandeln oder vor dem Problem einer durchgebrannten Feinsicherung gestanden wäre. Außerdem hätte man einen guten Teil der durch die Zweiweggleichrichtung höheren Trafokosten wieder auffangen können, denn man hätte dann eine der beiden Feinsicherungen weglassen und die beiden Elkos von 32µF auf 16µF verkleinern können.

Zweite K: Normalerweise wird bei einem solchen Gerät (wenn es sich nicht gerade um die Gegentaktendstufe eines Leistungsverstärkers oder um eine Sender-Endstufe handelt) eine automatische Gittervorspannung der Röhren durch einen Kathodenwiderstand je Röhre vorgesehen. Beim 4547 W werden die Gittervorspannungen durch zwei Widerstände erzeugt, über die alle Kathodenströme der drei Röhren zusammen fließen. So werden diese Spannungen nicht, wie es eigentlich sein sollte, für jede Röhre getrennt gebildet. Vielmehr sind sie (unerwünscht) voneinander abhängig, insbesondere werden die beiden ECH4 von dem Schirmgitterstrom beeinflusst, der durch die EBL1 fließt. Das betrifft Einflüsse durch Alterung oder auch solche, die durch eine eventuell später notwendige Erneuerung einer Röhre entstehen.

Weshalb das so vorgesehen wurde, erschließt sich mir überhaupt nicht. Sollte es tatsächlich damit begründet sein, dass man sich diese Nachteile eingehandelt hatte, nur um zwei Widerstände und zwei Kondensatoren einzusparen, die man bei getrennter Gittervorspannungserzeugung mehr benötigt hätte? Ich kann 's eigentlich nicht glauben.

Trotz allem finde ich es prima, dass Du derartige, rare Zeitzeugnisse wieder instandsetzt und ihr "Überleben" sicherstellst. Zur Belohnung verspricht es Dir spannende (inzwischen leider nur noch abendliche und nächtliche) Hörerlebnisse.

Schöne Grüße

Heinrich

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Rainer Hebermehl
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Re: mal ein alter schuhkarton brAun 4547w mottenkiste

#3 Beitrag von Rainer Hebermehl » 08.06.2021, 13:41

Glückwunsch !

Ich liebe die alten Schätzchen . Vor Allem die Philettas und Philettinas von Philips.

Der 4547 W wird durch einen ! Autotrafo ! versorgt. ( Heizung A und E Röhren ) Chassis Minus liegt direkt auf der Netzspannung ! Er konnte auch an 110 Volt betrieben werden. Es gab zu dieser Zeit auch in Deutschland noch jede Menge 110 Volt Netze. Ich hatte einen Schulfreund bei dem zu Hause 2 x 110 Volt geschaltet waren. Gegenphasig, so daß 220 Volt anlagen. ( Pfiffig ein Steckeranschluß in die Dose und den anderen an die Wasserleitung, dann liefen 110 Volt am Zähler vorbei , das Radio war entsprechend umgestellt ! !
In der Abtrimm-Anweisung steht ganz unten : Achtung ! Das Chassis hat Verbindung mit dem Netz, direkte Erdung kann zum Kurzschluß führen !
( Bei einpolig geerdeten Netzen Netzstecker so polen, daß Chassis keine Spannung gegen Erde führt ! ) Da sind wir wieder bei 2 x 110 Volt in der Steckdose.

Zum Thema AZ1 und AZ11 . 1947 waren Röhren noch Mangelware. Deshalb das alte Kochrezept : Man nehme , so man hat .
Beispielsweise gab es den Grundig Heinzelmann mit oder ohne Röhren zu kaufen. Unser Telefunken Empfänger zuhause hätte mit U Röhren der 11er Serie bestückt sein sollen. Ich besitze ihn noch heute, er war stattdessen mit Wehrmacht RV12P200 auf 11er Röhrensockeln bestückt.

Anders wieder beim Allstromer 4547 GW Der war durchgehend mit U Röhren der 11er Serie bestückt. Und er hatte sogar 2 Skalenlampen. Etwas, das bei der Wechselstromausführung ebenfalls machbar gewesen wäre. zumindest 1 "Funzel" 6,3 Volt, 300 mA


Bei dem Betrieb der alten Geräte ( von Zeit zu Zeit wegen der Elkos einfach mal einschalten ) ist halt das Problem, daß AM praktisch tot ist.
Sogar auf Kurzwellt rührt sich fast nichts mehr. Auch die "Stimme Chinas " auf 49m , ehemals Radio Buxenlurch ist verstummt.


Gruß
Rainer
Aus dem Radio steigt der Rauch - Soll er auch.

Buggy
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nachtrach

#4 Beitrag von Buggy » 13.06.2021, 23:24

erstmal danke für die gedanken zum gerät :)
ich denke die ganzen kuriositäten, besonders in dieser zeit sind wohl in gänze nicht mehr ergründbar (auch wenn schaltungstechnisch logisch).
wer weiß schon, wann das in planung ging und ob es dann oder zum eigentlichen bau, gerade besonders viele sicherungshalter gab oder ob eine gekaufte lage widerstände dann doch nicht zur verfügung stand - so wie mit az1 /11.
was mir bei der vorstellung des gerätes durch die lappen ging: es ist fast wieder in der "verkaufsheimat" angekommen zumindest letzter standort war im ruhrgebiet.
Bild
so nun erstmal warmlaufen lassen ... und in der zeit alles moderne gelumpe ausstöpseln ;)
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