AUDIO 300

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Paparierer
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AUDIO 300

#1 Beitrag von Paparierer » 06.05.2019, 01:59

Liebe Leute,
gerade habe ich eine Audio 300 eines Arbeitskollegen "zwischen", bei der einiges zu tun ist...
Da das ja nun eigentlich gar nicht so mein "Beuteschema" ist, tu ich mich ein wenig schwer und bitte um Hilfe der Spezialisten bei ein paar Fragen.
1. Die Deckplatten und der Korpus sollen neu lackiert und bedruckt werden.
Korpus: ist von allem befreit, das war nicht schwer.
Deckplatte rechts: Die untere Radio-Skala ging relativ leicht heraus, wie bekomme ich die andere zerstörungsfrei entfernt? Gibt es einen Trick?
Deckplatte links: Wie entfernt man den Tonarm und die Schiebeschalter[kappen]? (und Tonarmstütze etc.?)

2. Die Platinen sehen so aus (Sorry, Uralt-Händi-Foddos):
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Empfehlt Ihr eine Neubestückung? An die Radioplatinen traue ich mich ehrlich gesagt nicht so ran...
...wobei es dort relativ gut aussieht, kaum Verfärbungen, die Skalenlämpchen tun es, der Hosenbandgummi sieht "frisch" aus ( :zwink: ),...

3. A pro pos Radio - dort eingeklemmt fand ich einen Schiebeschalter mit etwas Isolierband drum - ist der wirklich original??
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Das Kabel endet hier:
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Ich denke, da darf ich irritiert sein.

Genug für heute (Morgen), später hab ich bestimmt noch weitere Fragen.
Gruß, Gereon
...meistens ist es was Mechanisches...
- wenn es nicht will, wende Gewalt an;
geht es kaputt, hätte es eh gewechselt werden müssen... :wink:

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henry2
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Re: AUDIO 300

#2 Beitrag von henry2 » 08.05.2019, 16:12

Hallo Gereon,

ein schönes Teil (wenn 's mal fertig ist) hast Du da in Arbeit! Leider ist es schon eine Weile her, seit ich mein audio 2/2 repariert hatte. Da ich die Kiste möglichst nicht wieder auseinander nehmen möchte, will ich versuchen, Dir wenigstens aus meiner Erinnerung so gut es geht zu helfen.

Die Skalenscheiben aus Acrylglas sind geklebt; bei meinem Gerät ließen sich beide Scheiben ohne besondere Schwierigkeit von der Deckplatte lösen. Wenn die Klebung hartnäckig ist, würde ich es mit vorsichtiger Erwärmung mit einem Fön oder im Backofen versuchen, dabei möglichst nicht über 80°C erhitzen. Vermutlich gibt es dafür aber bessere Methoden; das ist was für Kunststoff-Experten, zu denen ich mich nicht unbedingt zählen möchte.

Der Tonarm des im audio 2/2 eingebauten Plattenspielers (P 400 X) ist mit einer Klemmschraube knapp oberhalb der Tragplatte auf der drehbaren Achse arretiert. Nachdem die Klemmschraube gelockert und die feinen Drähtchen, vom Tonarm kommend, an den Lötösen abgelötet wurden, kann man den Tonarm nach oben herausnehmen. Das geschieht mit sanfter Gewalt; man muss die Drehachse von unten festhalten und den Tonarm mit Hin- und Her-Bewegungen bei gleichzeitigem Zug vorsichtig nach oben von der Klemmzange befreien. (Ich nenne sie mal so, da sie mit der Klemmschraube zugezogen bzw. gelöst wird.)

Ich kann Dir allerdings nicht sagen, ob es sich beim audio 300 genauso verhält, da dort schon ein Plattenspieler (PS 420) seinen Dienst tat, der erst zwei Generationen später kam. Ich vermute daher, eher nicht.

Die Kunststoffkappen auf den Schiebeschaltern lassen sich nicht unbeschädigt von den kleinen Blechen abziehen. Deshalb: die Bleche unterhalb der Tragplatte abschrauben.

Eine Tonarmstütze gibt' s beim audio 2/2 nicht, lediglich den Absenkstift, auf dem der Rastbogen vom Tonarm aufliegt. Er lässt sich zusammen mit der Rändel-Stellschraube nach unten durch die Bohrung herausführen. Wie die Tonarmstütze beim audio 300 von unten befestigt ist, weiß leider nicht. Nicht durch eine Schraube?

Zu dem abgebildeten Schiebeschalter an der Leitung in der Radioabteilung kann ich Dir leider auch nichts sagen. Dazu müsste ich die Anschlusspunkte der von ihm ausgehenden Leitungen kennen und sie mit dem Schaltplan vergleichen. Ähnlich sieht es mit dem blauen Stecker aus; auch hier müsste ich erst mal richtig ins Gerät reinschauen, bevor ich etwas dazu sagen könnte. Auf jeden Fall darfst Du mit Recht davon irritiert sein :D.

Was die Neubestückung angeht (ich vermute, Du meinst damit die Elkos), so halte ich sie nach ca. 50 Jahren Alterungsprozess für absolut notwendig, sollte das Gerät noch etliche Jahre weiter funktionieren. Außerdem erreichst Du mit neuen Elkos in der Vor- und Endstufe meist auch eine spontane Klangverbesserung. Das heißt aber nicht, dass Du nur die Elkos in der Vor- und Endstufe erneuern solltest. Jene in der Betriebsspannungsversorgung und in der Radioabteilung sind genauso wichtig.

Vermutlich konnte ich Dir nicht allzu viel helfen, aber ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg bei der Restaurierung.

Viele Grüße

Heinrich

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Re: AUDIO 300

#3 Beitrag von Paparierer » 08.05.2019, 17:07

Servus Heinrich, VIELEN Dank!
Ja, die Tonarmstütze ist von unten verschraubt, die ist einfach.
Die Skalenscheibe hab ich jetzt doch herausbekommen, und es ist nur eine winzigkleine Stelle vom Rand abgeplatzt, die man von außen nicht sehen kann.
Spätestens am Wochenende nehme ich mir dann Den Plattenspieler resp. Tonarm vor.

Nochmals Danke - ich werde berichten...
...spätestens auf der Börse :wink:

HG, Gereon
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Re: AUDIO 300

#4 Beitrag von Paparierer » 10.05.2019, 01:16

Es ist gelungen! (Der Tonarm ging dann doch ziemlich leicht heraus).
Allerdings werde ich sowieso einen neuen Satz Senkkopfschrauben benötigen: Es war schon einmal jemand an dem Gerät, und einige Schrauben waren bereits durchgenudelt...

Weitere Fragen...:
Die angegebenen Werte mancher ElKos sind - hm, sagen wir mal: nicht wirklich "gängig".
Auf der anderen Seite steht beispielsweise im Schaltplan 250µF, auf dem original verwendeten ElKo aber 220µF (und 63-70V)
Ist das ok, konsequent den nächsthöheren möglichen Wert in Kapazität oder/und Spannung zu nehmen?

Und der große festgeschraubte Becherelko ist mit 8000µF/50V angegeben:
Sein Wert liegt auch bei 8000µF, da fehlt sich nix - würdet Ihr ihn dennoch ersetzen (z.B. durch einen 8200µF/63V)?

Gruß, Gereon
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Re: AUDIO 300

#5 Beitrag von gecko10 » 10.05.2019, 08:02

Hallo Gereon,220µ ist der gängige Wert und die Spannungsfestigkeit sollte mindestens gleich hoch sein.Den dicken Siebelko würde ich in deinem Fall auch erneuern,wenn er auch noch Jahre halten könnte.Aber in deinem Fall ,bei dem Aufwand den treibst,wäre das an der falschen Stelle gespart.Übrigens ist mir aufgefallen,dass bei aktuellen Elkos der gemessene Wert meist unter dem aufgedruckten liegt.
Gruss
Gerhard

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Re: AUDIO 300

#6 Beitrag von Paparierer » 10.05.2019, 09:29

Moin Gerhard,
ebenfalls vielen Dank!
Dennoch - oder gerade wegen Deiner Antwort - meine ganz konkrete Frage:
Wenn im Schaltplan 250 (oder 2500 oder...)µF steht, und die gängigen Kapazitätswerte eben mit 220 resp. 2200µF angegeben sind, in realiter aber sogar noch darunter liegen: sollte ich dann nicht gleich 330 / 3300µF und den passenden, ev. nächsthöheren Spannungswert nehmen?

Jetzt beginnt es mich wirklich zu jucken...:
Ich habe vor, den Becherelko auseinanderzunehmen und einen neuen darin zu verstecken. :zwink:
(So, wie es Thomas hier gemacht hat...)

Korpus und Abdeckplatten gehen heute zu Herrn Wölker.

Gruß, Gereon
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Re: AUDIO 300

#7 Beitrag von gecko10 » 10.05.2019, 12:21

Hallo Gereon,im Netzteil würden 270µ,70V passen oder aucg 330µ,das muss dann der trafo abkönnen.Im Endverstärker würd eich mich bei frequenzbestimmenden Bereichen würde möglicht die Werte nehmen,die eingebaut sind.
Das mit dem Alubecher hab ich mal bei einem Saba Freiburg gemacht,ist mir aber optisch nicht perfekt gelungen,aber Metallbearbeitung ist nicht so mein Ding.
Gruss
Gerhard

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Re: AUDIO 300

#8 Beitrag von Paparierer » 02.06.2019, 00:45

So, bin a weng weiter...
Der Alu-Becher ist auch bei mir nicht so optimal geworden. Vielleicht hätte ich ihn an anderer Stelle aufsägen sollen, statt die Bördelung aufzubiegen...?

Der neue ElKo (10.000µF/50V/105°, angeblich low ESR) ist natürlich erheblich kleiner als der alte FRAKO im Becher:
Bild
Aus einer rechteckigen Mini-Lötplatine ~48x58mm hab ich eine runde (r=21mm) geschnitzt.
Zwei der Löcher wurden ein wenig aufgebohrt und die Pins des neuen Elkos durchgesteckt.
Dazu kam dann noch ein Gummiplättchen gleicher Größe mit zwei Löchern (per Lederlochzange) an den richtigen Stellen.
Dann die Anschlussdrähte angelötet, den ElKo in den Becher geschoben* und die Platte in/an die Sicke des Bechers gelegt, schließlich die Bördelung zurückgebogen.
*Am Boden des Bechers ist noch einen Abstandshalter eingeklebt, so sitzt der ElKo fest zwischen ihm und der kleinen Lochplatine.
Ich finde es so ganz nett:
Bild
Vielleicht "egalisiere" ich später noch ein wenig die Bördelung.

Die Rückseite der Netzteil-Platine sieht nun so aus:
Bild

und die Endstufe so:
Bild
Die beiden großen (ehemals axial bedrahteten) ElKos (nun 2700µF Nichicons statt 2500µF) haben auch wieder eine Kabelbinderbefestigung bekommen :wink:
Die restlichen zylindrischen ElKos sind FC- oder FR-Typen von Panasonic

Wird demnächst fortgesetzt...

Gruß, Gereon
P.S. Heinrich gab mir noch den Tipp, für "exotische" Kapazitätswerte und/bei axialer Bedrahtung mal bei fragjanzuerst(ätt)... hineinzuschauen.
Ein Volltreffer!
Superqualität, superschnelle Lieferung, super hilfsbereit.
Jan Wüsten ist absolut zu empfehlen!
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