regie 510 FM Tuner nur bis 105 Mhz - Frage an die Tuner Experten

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edison2005
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regie 510 FM Tuner nur bis 105 Mhz - Frage an die Tuner Experten

#1 Beitrag von edison2005 » 10.09.2020, 23:40

Eine Frage an die Tuner Experten in der Gemeinde,

Ich hatte von einem Forumsmitglied einen nicht gut erhaltenen cev510 (mit FM Tuner) erhalten, um damit einen recht ordentlich erhaltenen cev520 wieder zu vervollständigen, dem fehlte nämlich der FM Tuner.

Ich habe den Tuner dann in den cev520 eingebaut und hatte gleich recht ordentlichen Empfang, aber nur von 87,5 bis ca. 105 MHz. Ich habe dann gemäß Servicemanual versucht, den Tuner abzustimmen.

Die 0 Volt über die Dioden D102/3 sowie die 1,1 Volt am R104 konnte ich nicht einstellen.
Ich habe den R104 ersetzt, dann klappte es mit den 1,1V. Die 0V klappten nicht, da hatte ich die 2 Kondensatoren im Tuner (C123 und C124) in Verdacht (verdächtig hohe Kapazität bei dem 2,2 uF und gar nichts bei dem 0,5 uF). Habe die gewechselt (nur den 0,5uF hatte ich nicht – da ist jetzt ein 1uF drin). Jetzt kann ich auch die 0V einstellen. Ich vermute, das die 1uF statt 0,5uF keinen Einfluss auf den Frequenzbereich haben? Die Funktion der 2 Elkos erschließt sich mir nicht.

Aber das hat den Frequenzbereich von 87 – 105 MHz nicht verändert. Der Dreh-Kondensator im Tuner lässt sich von komplett drin bis komplett raus einwandfrei einstellen, aber nur max. 105 MHz. Der regie 510 wurde aber bis 108 MHz ausgeliefert und jetzt streckt sich der Bereich bis zum sichtbaren Skalenende (108 MHz) auf 105 MHz, d.h. auf Anzeige 108 kommen 105 MHz an. Mit einen FM Messsender kann ich genau 87,5 MHz passend auf der Skala einstellen, aber der Rest wird quasi gedehnt.

Da fehlt mir nun das Fachwissen - ich kann aus dem Servicemanual nicht herauslesen, wie ich das obere Ende auf 108 MHz einstellen kann. Meine Vermutung ist der C101 (damit kann ich den Frequenzbereich verschieben) für die untere und der C116 für die obere Frequenz… aber beim vorsichtigen Verstellen des C116 passiert überhaupt nichts.
An anderer Stelle wird empfohlen, den C118 zu wechseln, aber das ist ein speziell temperaturkompensierter, den ich eh nicht habe.

Was muss ich tun, um den oberen Frequenzbereich auf 108 MHz zu strecken?
Oder andersherum gefragt, wie stimme ich den Tuner korrekt ab? Die Anleitung in SM ist für mich nicht so nicht verständlich.
An den Abstimminduktivitäten hat noch keiner gedreht, das Wachs sieht noch fabrikneu aus.

Viele Grüße
Roland

PS: Meßsender FM und Oszillograph (bis 70MHz) ist vorhanden, kein Wobbler
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henry2
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Re: regie 510 FM Tuner nur bis 105 Mhz - Frage an die Tuner Experten

#2 Beitrag von henry2 » 11.09.2020, 22:40

Hallo Roland,

die beiden Elkos C123 / C124 haben keinen Einfluss auf die Oszillatorfrequenz. C124 sorgt lediglich für eine letzte "Säuberung" der stabilen Vorspannung an der Kathode der Kapazitätsdiode D101.

C123 ergibt zusammen mit R115 eine kleine Zeitkonstante für die Abstimmspannung der AFC, sodass die Ausregelung beim raschen Durchstimmen des Drehkos etwas weicher erfolgt. Das gleiche gilt auch für den Fall, bei dem die AFC-Taste gedrückt wird, und der Sender zuvor nicht exakt eingestellt wurde. Ohne C123 käme es sonst eventuell zu einem leichten "Plop" im Lautsprecher. Diese kleine Zeitkonstante ist natürlich beim automatischen Nachstimmen eines langsam weglaufenden Oszillators (nicht eines langsam weglaufenden Senders :wink:) nicht wahrnehmbar. 1µF statt 0,5µF sind an dieser Stelle m.E. kein Problem.

Als nächstes habe ich mir mal die Abgleichanweisung angesehen und mich dabei über eines sehr gewundert, nämlich darüber, wie der Abgleich des Oszillators beschrieben wurde. Dass L104 bei 87,5 MHz auf Maximum eingestellt werden muss, ist klar. Das dürfte jedoch nicht für C116 gelten; ich denke, hier liegt ein Druckfehler vor. C116 sollte man bei 108 MHz auf Maximum abgleichen. In der Regel muss man diese beiden Einstellungen mehrfach nacheinander durchführen, bis die Maxima beim Abgleich von L104 und C116 auf ihren entsprechenden Frequenzen wirklich erreicht sind. Ich muss sicherlich nicht darauf hinweisen, dass die unterste und oberste Empfangsfrequenz (87,5 und 108 MHz) jeweils vor dem Abgleich mit dem Senderwahlknopf am Gerät eingestellt werden muss (sorry).

C118 würde ich erst dann in Verdacht nehmen, wenn sich die untere und obere Empfangsfrequenz nach wie vor nicht einstellen lässt. Ein Defekt an diesem Kondensator wäre recht ungewöhnlich. Falls er doch erneuert werden müsste, so kann man einen serienmäßigen Keramikkondensator der Klasse 1 verwenden. Dieser Kondensator selbst ist nicht "temperaturkompensiert". Allerdings gibt es solche frequenzbestimmenden Keramikkondensatoren (ich nenne sie im folgenden KKs), die parallel oder in Reihe mit einer Spule betrieben werden, einen bestimmten, gewünschten Temperaturkoeffizienten (TK) aufweisen. Diese Kondensatoren ändern sehr definiert ihre Kapazität, wenn sich ihre Umgebungstemperatur ändert. Es gibt KKs mit positivem und negativem TK, aber auch solche, deren Kapazität bei sich ändernder Temperatur konstant bleibt.

Beispiele: Eine Kupferspule hat normalerweise einen TK α von +150x10-6/K. Man spricht kurz gesagt von "P150". Ein Schwingkreis mit einer solchen Spule wird temperaturkompensiert mit einem Kondensator mit einem TK α von -150x10-6/K, kurz "N150". In UKW-Tunern bestehen die Spulen meist aus versilbertem Kupferdraht, die dann einen anderen TK, meist ±0/K aufweisen, kurz NP0. Die Farbkennzeichnung von KKs mit einem TK von N150 ist orange, jene mit einem TK von NP0 ist schwarz. Beides sind gängige TK-Werte, wobei ich jetzt nicht auswendig weiß, welchen TK C118 besitzt.

Nach dem Abgleich des Oszillators geht es an die Vor- und Zwischenkreise, deren Induktivitäten L101, L102 und L103 bei 90 MHz und die Kapazitäten C101, C105 und C109 bei 108 MHz auf Maximum abgeglichen werden. Die 90 MHz stellt man am besten nach der Skala am Gerät ein und zieht mit dem Messender auf diese Frequenz nach, bevor man die Induktivitäten abstimmt. Auch diese Einstellungen müssen i.d.R. mehrfach durchgeführt werden, bis bei den beiden Frequenzen alle Maxima erreicht wurden.

Die Messungen sollten alle bei kleinem Antennen- bzw. Messender-Signal durchgeführt werden, wobei mit einem Multimeter (AC) oder Oszilloskop z.B. an Messpunkt 9 oder 10 gemessen wird. Alternativ wären die Messungen (DC) am Emitter von T2601 abzugreifen. In jedem Fall mit dem HF-Pegel des Messenders immer unterhalb der Begrenzung des Empfängers bleiben (Feldstärkeanzeige max. bis "2").

Übrigens kannst Du mit C101 (gehört zum Vorkreis) keinen Frequenzbereich verschieben. Stimme ihn einfach bei 108 MHz auf Maximum ab.

Ich hoffe, dass ich Dir hiermit etwas weiter helfen konnte. Noch mehr Fragen? Immer gerne.

Viel Erfolg und Grüße

Heinrich

edison2005
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Re: regie 510 FM Tuner nur bis 105 Mhz - Frage an die Tuner Experten

#3 Beitrag von edison2005 » 12.09.2020, 19:15

hallo Heinrich,

schön, das du dich um dieses Problem bemüht hat, hier die erste Rückmeldung.
Irgendetwas ist nach wie vor faul... Mit C116 kann ich bei 108 MHz nichts abstimmen, so hoch gehts ja nicht. Max 106MHz klappen noch.
Und mit C116 verschiebe ich das gesamte Frequenzband rauf oder runter. Wenn ich den C116 so einstelle, dass mein Meßsender bei 87,5MHz genau auf der Skala 87,5 liegt, liegt das obere Ende auf 106MHz.
Bei 90MHz kann ich an den L101-103 sowie bei 106MHz (108 gehen ja nicht) an den C101,102,109 drehen so viel ich will, da tut sich überhaupt nichts.
Das Oszilloskop zeigt den eingespeisten 1 KHz sinus konstant (an MP 9), ohne irgendeine Änderung.
Einzig bei 87,5 kann ich mit L104 ein Maximum einstellen, allerdings extrem empfindlich.
Da ich aber eigentlich ganz ordentlichen Empfang habe und an den Abgleichpunkten 61,62 und 50 alles passt, vermute ich, das T101 und T102 in Ordnung sind.
Allerdings sollte sich dann bei L101,102,103 irgendetwas tun beim Verstellen...

Roland
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Re: regie 510 FM Tuner nur bis 105 Mhz - Frage an die Tuner Experten

#4 Beitrag von henry2 » 13.09.2020, 16:07

Hallo Roland,

erst mal zur Mechanik: Bitte stelle doch noch einmal sicher, dass der Drehko bei der tiefsten vom Skalenzeiger angezeigten Frequenz (linkes Ende der Skala) ganz eingefahren und bei der höchsten angezeigten Frequenz (rechtes Ende der Skala) ganz ausgefahren ist. Die beiden Anschläge des Skalenzeigers (links/rechts) sollen mit den entsprechenden mechanischen Anschlägen des Drehkos korrelieren.

Nun nochmal ein neuer Anlauf zum Oszillator-Abgleich:

- Skalenzeiger am Regie auf Linksanschlag stellen.
- Messsender auf 87,5 MHz einstellen.
- L104 auf Maximum abgleichen. Dabei, wie auch in der Abgleichanweisung erwähnt, den Spulenkern auf das erste, obere Maximum abstimmen.
- Dann Skalenzeiger am Regie und Messsender auf 108 MHz einstellen. (Merke, die 108 MHz-Marke auf der Skala liegt ein Stück weit links vom Rechtsanschlag des Zeigers.)
- C116 auf Maximum abgleichen.
- Vorgang wiederholen, bis alles stimmt.

Wenn auch bei der kleinsten einstellbaren Kapazität von C116 die Ozillatorfrequenz noch immer zu tief liegt, dann wäre folgende, etwas erweiterte Methode noch einen Versuch wert:

- Den Skalenzeiger am Regie und den Messsender auf 108 MHz einstellen.
- Den Spulenkern von L104 (linksherum) wieder etwas herausdrehen, bis die Empfangsfrequenz von 108 MHz erreicht wird.
- Dann C116 um etwa ¼ Umdrehung wieder zurückstellen.
- Skalenzeiger am Regie auf Linksanschlag stellen.
- Messsender auf 87,5 MHz einstellen und L104 auf Maximum abgleichen.
- Dann wieder den Skalenzeiger am Regie und den Messsender auf 108 MHz einstellen.
- C116 auf Maximum abgleichen.

Die Einstellungen von L104 bei 87,5 MHz und C116 bei 108 MHz so oft wiederholen, bis bei beiden Frequenzen die Maxima erreicht wurden. Die Wiederholungen können schon 2 bis 3mal erforderlich werden.

Der korrekte Oszillatorabgleich ist zunächst mal ganz wesentlich, ohne den es sich nicht lohnt, weiterzumachen. Erst wenn wir das hinbekommen haben, können wir mit den Vor- und Zwischenkreisen fortfahren. Vorab jedoch: Es kann nicht sein, dass alle drei abstimmbare Schwingkreise weder auf das Verstellen ihrer Kapazitäten noch ihrer Induktivitäten reagieren. Das aber später.

Schöne Grüße

Heinrich

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Re: regie 510 FM Tuner nur bis 105 Mhz - Frage an die Tuner Experten

#5 Beitrag von edison2005 » 18.09.2020, 13:38

Hallo Heinrich,

erst mal zur Mechanik... Ich war zwar sicher, da keine Fehler gemacht zu haben, hab dann aber doch den Tuner wieder ausgebaut und geöffnet.
Der Vorbesitzer oder wer auch immer hatte die 2 Blechanschläge heruntergebogen, so dass man die Achse beliebig oft ohne Anschlag durchdrehen konnte.
Ich hatte das zwar korrigiert aber wohl nicht ganz korrekt. Jetzt ist sichergestellt, dass der Drehko bei der tiefsten vom Skalenzeiger angezeigten Frequenz (linkes Ende der Skala) ganz eingefahren und bei der höchsten angezeigten Frequenz (rechtes Ende der Skala) ganz ausgefahren ist.

Nun nochmal ein neuer Anlauf zum Oszillator-Abgleich:

- Skalenzeiger am Regie auf Linksanschlag stellen, Messsender auf 87,5 MHz eingestellt und mit L104 auf Maximum abgeglichen. --> Passt.
- Skalenzeiger am Regie und Messsender auf 108 MHz eingestellt --> kein Empfang.
- Durch wiederholtes Ändern der Sendefrequenz das Maximum ermittlet, es liegt bei 106,5 MHz und der Skalenzeiger+Tuner steht dann auf rechtem Anschlag, also bei ca. 109.

Dann Methode 2:

- Sender + Skala auf 108 und L104 so eingestellt, dass 108 MHz empfangen werden + C116 um 1/4 Umdrehung nach links(richtig?)
- Ergebnis wie vorher, die tiefste Frequenz liegt dann bei ca.90 MHz also um ca. 2,5 MHz daneben

Nun ist es nicht so, dass ich unbedingt Sender > 106,5 hören möchte. Hab dann mit L104 wieder so eingestellt, dass die Skala bei 87,5 wieder passt.
Sendefrequenz Skala
87,5 87,5
98,0 99,0
100,0 101,5
104 106
105 107,5
106 108,5
Ich kann mit diesen Methoden nur das Frequenzband verschieben, aber nicht um die ca. 2,5MHz stauchen um es vollständig zu empfangen.
Der Tuner stammt aus einem alten cev510 und dessen Skala ging ja auch bis 108. Irgendetwas zieht den Oszillator bei steigender Frequenzen in die nicht-Linearität.
Da der Empfang aber eigentlich recht gut ist (auch vollständig ohne Antenne bei offenem Gerät kommen etliche Sender gut rein) würde ich es evtl. dabei belassen wenn du nicht noch eine Idee hast.

Dann würde ich mit den Vor- und Zwischenkreisen auf deinen Rat warten - denn da sehe ich zwar kleinste Änderungen, aber auch nicht so wie ich es erwarten würde.

viele Grüße
Roland
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