Netzstrom-Filter

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Paparierer
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Netzstrom-Filter

#1 Beitrag von Paparierer » 04.01.2019, 15:50

Hi Forianer,
benutzt jemand von Euch
Netzstrom-Filter generell?
Mehrfach-Steckdosen-Leisten mit besagtem Filter[n]?
Hat jemand von Euch das schon einmal selbst gebaut?
Udo hat vor einiger Zeit einen DC-Filter erfolgreich gegen das Brummen eines Ringkern-Trafos eingesetzt, aber nur für / in einem Gerät (Endverstärker).

Hintergrund meiner Fragen ist die "lose" Idee, ein leeres Ateliergehäuse mitten im Rack als Steckdosenleiste zu verwenden...
Konkreter resp. spruch- oder gar baureif ist das aber noch nicht.

Gruß, Gereon
...meistens ist es was Mechanisches...
- wenn es nicht will, wende Gewalt an;
geht es kaputt, hätte es eh gewechselt werden müssen... :wink:

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henry2
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Re: Netzstrom-Filter

#2 Beitrag von henry2 » 06.01.2019, 23:08

Hi Gereon,

ja, mit Netzstromfiltern hatte ich mich gedanklich schon vor geraumer Zeit beschäftigt und konnte mir vor einigen Jahren von einem freundlichen HiFi-Händler eine nicht ganz billige Steckdosenleiste mit eingebauten Netzfiltern eines bekannten und gut beleumundeten Herstellers ausleihen und zu Hause ausprobieren. Es stellte sich jedoch sehr schnell heraus, dass meine Anlage mit Netzstromfilter nun eher verhangen und auf jeden Fall weniger gut klang als ohne. Ich brachte die Steckerleiste wieder zurück und vergaß bzw. ignorierte dieses Thema wieder für einige Jahre.

Im vorvergangenen Jahr hatte ich bei meinem Besuch auf der westdeutschen HiFi-Messe in Bonn die Gelegenheit, an einer ausführlichen Vorführung einer Stereoanlage teilzunehmen, die einmal ohne und einmal mit einem Trenntrafo (plus Netzfilter) in ihrer Stromversorgung betrieben wurde. Der Unterschied bzw. die Verbesserung, die mit dem Zwischenschalten des Trenntrafos einherging, war enorm. Die Musik wurde vor einem merklich ruhigeren Hintergrund wiedergegeben und die Zunahme an Detailreichtum der einzelnen Instrumente und an der Natürlichkeit von Stimmen war überaus deutlich zu hören.

Du kannst Dir denken, dass ich daraufhin mehr und mehr an dem mancherorts unter dem Namen bekannten "Haben-Muss-Syndrom" zu leiden begann. Lange hält man das ja nicht aus. Ich wandte mich deshalb an den besagten Hersteller, der mir so eine Kiste zum Testen nach Hause schickte. Bei Nichtgefallen konnte ich sie wieder zurückschicken, bei Gefallen durfte ich sie behalten, musste sie dann allerdings leider auch bezahlen. Letzteres trat ein; das Ergebnis zu Hause war mit jenem bei der Vorführung in Bonn absolut identisch.

Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich zwar mit Herz und Seele ein ausgemachter Braun-Liebhaber bin, der seine Geräte täglich nutzt und sich an ihnen erfreut, aber wenn ich ernsthaft Musik hören möchte, muss ich mich ins Wohnzimmer setzen und - was die Musikanlage angeht - leider fremdgehen.

In meiner neuen Trafokiste befinden sich also 2 Trafos à 500 VA für den Verstärker, ein Trafo mit 200 VA für die Quellengeräte wie Plattenspieler, Phonovorverstärker, Musikserver und D/A-Wandler, weiterhin ein symmetrisches Netzfilter, ein Überspannungsschutz und ein Einschaltstrombegrenzer. Der getrennte 200 VA-Trafo war wegen der ansonsten möglichen Beeinflussung der (Eingangs-)empfindlichen Quellengeräte durch die modulierte Stromaufnahme des Leistungsverstärkers doch empfehlenswert.

Was mit der Zeit jedoch nervte, war der immer wieder (selbst in den späteren Abendstunden) unregelmäßig auftretende Gleichstromanteil in unserer Netzversorgung. Das können ja etwas größere Ringkerntrafos überhaupt nicht ab und quittieren diesen Umstand mit einem vernehmlichen Brummen, auch wenn sie vergossen sind. Ich habe deshalb meine Trafokiste um einem DC-Blocker ergänzt, für dessen Komponenten sich glücklicherweise zwischen den Trafos noch ein Plätzchen fand. Das Resultat? Perfekt! Herrliche, dauerhafte Ruhe. Kein Brummen mehr, nur noch Hörgenuss. Solche DC-Blocker lassen sich - mit und ohne Filter - natürlich auch fertig kaufen. Sie kosten so zwischen 350,-- und 700,-- €. Selbstgemacht haben mich die Teile dafür ca. 30,-- € gekostet. Zwar ohne Netzfilter und ohne Gehäuse. Das war ja schon bei der Trafokiste vorhanden.

Resümee aus dem Ganzen: Meine ganz persönliche Erfahrung mit meinen eigenen Geräten zeigte eindeutig:

- Netzfilterleiste alleine: Keine Verbesserung, sondern Verschlechterung
- Betrieb mit Trenntrafo: Erhebliche Verbesserung; mit Abstand bestes Ergebnis.
- Wenn die Netzstromversorgung gleichspannungsüberlagert ist (das ist wohl heutzutage sehr häufig der Fall), bringt ein DC-Blocker ebenfalls eine deutliche Verbesserung.

Ich hoffe, dass Dir meine Erfahrungen in dieser Sache ein bisschen Anreiz zum Selbstbau geben konnten. In einem Atelier-Gehäuse müsste sicherlich alles Platz finden und ich kann Dir versprechen: Trafo lohnt sich.

Viele Grüße

Heinrich

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