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 Betreff des Beitrags: R4/2 verzerrt auf dem rechten Kanal
BeitragVerfasst: 16.01.2017, 19:20 
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Moin zusammen,

Das neue Jahr hat bei mir nach Maß begonnen. Nach 7 Jahren Dauerbetrieb hat sich mein grauer R4/2 entschlossen, mich mit diversen Problemen so zu nerven, dass ein entspanntes Hören nicht mehr möglich ist :?.

Die Symptome dürften hinlänglich bekannt sein:
  • Der Infrarotempfänger zwingt durch seine Empfindlichkeit bezüglich Energiesparlampen, Plasma-Fernseher und Sonnenlicht den Prozessor regelmäßig in die Knie und leitet eine Schaltorgien bis zum Absturz ein.
  • Die Fronttasten am R4 stellen ihre Funktion nach und nach ein, da entweder Kontaktschwierigkeiten in der Stecker-Leiste des Prozessorboards oder die empfindlichen flexiblen Verbindung in der Toblerone und der Funktionsleiterschalterplatte für Unterbrechung sorgen.
  • Die alten noch originalen LS-Relais sind abgerockt und produzieren mehr Aussetzer und Klirr als man ertragen kann…
  • Die Goldcap hat ihre beste Zeit vor 20 Jahren gehabt und ist aller Wahrscheinlichkeit über den Jordan (Einstellungen und Sender gehen verloren, wenn der R4 vom Netz genommen wird.…
  • Etc…

Der R4 wurde also erst einmal auf meinem Arbeitsplatz für eine Woche zwischengeparkt…

Nach Eintreffen von Pierre Wittigs Austausch LS-Relais habe ich diese auf der Endverstärkerplatine unter dem Prozessorboard eingelötet (da Pin-kompatibel), sodass ich nach kurzem Funktionscheck das Klirr-Problem aussortieren konnte. Da mich die IR-Empfindlichkeit und die ewigen Zickereien des R4 nervten, habe ich den lange vor mich hergeschobenen IR-Umbau den Uli und Gunnar erstklassig beschrieben haben endlich durchgeführt und die Schaltung nach Vorgabe modifiziert. Auch hier passte alles. Test bestanden :D.

Das Löten an den Aufnahmepunkten der flexiblen Leiterbahnen um die Funktionstasten auf der Toblerone reaktivieren, war etwas kitzlig. Ich konnte immerhin einen Kontakpunkt wiederherstellen. Nachdem ich die Steckerleiste am Prozessorboard genau untersucht habe viel mir auf, das sich einzelne Drähte aus dem Stecker geschoben hatten. Nach kurzer Justage haben sich erfreulicherweise alle Tasten entschlossen wieder in Funktion zu gehen… :mrgreen:
So weit so gut…

Nach einem erfolgreichen Funktionstest, habe ich den R4/2 im Testbetrieb laufen lassen. Leider bewahrheitet es sich, dass der R4 ein wahrer Seuchenvogel ist. Während des Probebetriebs ohne Signal machte der R4 plötzlich dicht … :( Man glaubt immer, das passiert nur den anderen...

Das Display ging buchstäblich vor meinen Augen aus und der R4 war komplett tot. Den Netzstecker ausgestöpselt und wieder eingestöpselt und der Punkt im Display war wieder da. Neu eingeschaltet (über Fernsteuerung) – mein R4 meldete sich zurück ins Leben. Leider hielt dies nur für 10 Sekunden, dann war er wieder aus. Diesmal jedoch bedauerlicherweise endgültig. Ich meine noch eine leicht verbrannte Ausdünstung für einen Augenblick wahrgenommen zu haben, die jedoch zu schwach war um eindeutig zugeordnet zu werden. Es ist erstaunlich welche intensive Emotionslage sich in einem solchen Augenblick einstellt… :wall: (Don't Panic!)

Nach weiteren zwei Tagen (ich hatte echt Frust) habe ich dann angefangen die drei Versorgungsspannungen aus dem Standby-Trafo zu überprüfen, die erfreulicherweise i.O. waren. Die Gleichspannung an den drei nachgeschalteten Brückengleichrichtern war jedoch zusammengebrochen. Die Lösung war recht einfach, da die Brückengleichrichter noch funktionierten, jedoch jeweils ein vorgeschalteten Sicherungswiderstand pro Gleichrichter (zwei im Prozessorboard, einer auf der Vorverstärkerplatine) verbrannt und damit taub waren. Hier hatte der Geruch seinen Anfang genommen. Offensichtlich hatte das Prozessorboard aus irgendeinem Grund zu stark Strom gezogen und die Widerstände haben ihren Job gemacht. Die Frage die sich mir stellt ist jedoch, warum? Einen Kurzschluss kann ich zumindest bei meinen Lötarbeiten ausschließen. Sicherheitshalber habe ich die Ladekondensatoren und den kleinen 1µF Kondensator (C726) direkt mit ausgetauscht und die Spannungsstabilisierung sowie die Transistoren im Spannungszweig geprüft (Prozessorboard).

Bild Bild Bild

Nach abgeschlossenen Löt- und Messarbeiten habe ich den R4 wieder zusammengestöpselt und unter Netzstrom gesetzt. Das Display meldete sich zurück – leider mit Punkt und weiteren angezeigten Funktionen, die im Standby nicht auftauchen sollten (Mhz, l.bass, h.blend, mono) :?.
Bild

Ein ähnicher Fall findet sich im Archiv mit sehr guten Empfehlungen zur Behebung: www.braun-hifi-forum.de/viewtopic.php?f=3&t=10196

Mein erster Gedanke war – hoffentlich hast Du Dir den Prozessor nicht in die Jagdgründe geschossen…
Ich bin noch einmal alle Kontakte des Prozessorboards durchgegangen, habe kalte Lötstellen beseitigt sofern vorhanden, alle C’s geprüft und auch die Goldcap ausgetauscht, die offensichtlich komplett ausgefallen war und sperrte.

Die Kiste schnell fliegend zusammengebaut und unter Strom gesetzt. Siehe da, Nummer 5 lebt. Es ist nur der Punkt im LCD Fenster zu sehen. Fernsteuerung und Tasten funktionieren wieder und der Betrieb blieb stabil. Erleichterung bei mir auf der ganzen Linie :wink: .
Nach Zusammenbau und erstem Testlauf (1 Stunde) habe ich ihn zurück in die Anlage gestellt. Der Klang war klar wie es sein sollte, die Beeinflussung des IR-Empfängers Geschichte, und die Tasten an der Frontseite und der Toblerone funktionsfähig. :wow:

Leider kreisten die Geier schon wieder über meinem R4. Nach ca. 1 Stunde Betrieb mit CD4 setzte schleichend ein Kratzen im rechten Kanal ein, bis dieser komplett verzerrte. Ich habe den R4 sofort ausgeschaltet und vom Netz genommen. Er war bisher nur handwarm und zeigte keine äußeren Auffälligkeiten. Auch nach der Abkühlung verzerrt der Kanal leider. Die beiden von mir verbauten LS-Relais habe ich wechselseitig mit den Boxen überprüft, die Verzerrung des rechten Kanals wechselt mit. Ein kurzer Check des Ruhestrom zeigte, das sich dieser nur auf der linken Seite einstellen läßt. Rechts bekomme ich keine Werte.

Also ist der R4 wieder auf meinem Arbeitstisch gelandet und ich muss mir die Frage stellen, ob ich selbst einen Sekundärschaden provoziert habe oder ein weiteres bisher noch nicht bekanntes Problem auf den Plan getreten ist…

Daher werde ich mir zunächst folgende Dinge ansehen:
  • Prüfen ob Vor- und Endstufe gleichermaßen betroffen sind.
  • die Versorgungsspannungen noch einmal komplett überprüfen.
  • Ruhestromeinstellung (nach Reparatur) durchführen,
  • Sinus einspeisen und den Signalweg messtechnisch (Oszi) nachgehen, falls sonst nichts hilft.


Ich berichte, wenn ich mehr weiß…

Viele Grüße,
Jens

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BeitragVerfasst: 08.01.2018, 13:19 
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Nach längerer Zeit habe ich meinen alten R4 wieder auf den Arbeitstisch zurückgeholt, da ich einen offensichtlichen Wurm im Endverstärker (rechter Kanal) bisher nicht lokalisieren konnte.

Problem: der Endverstärker produziert Klirr und Verzerrungen im unteren Leistungsbereich, der dort nicht auftreten dürfte.
Nach Durchsicht der Endstufe fällt auf, das sich der Ruhestrom für den rechten Kanal nicht einstellen läßt. Der Spannungsunterschied der Emitter T324 zu T326 ergibt immer 0 mV. Der Poti VR302 funktioniert messtechnisch, hat aber keinen Einfluß.

Im Ergebnis stellt sich folgendes Bild am Oszi bis ca. 55 mV eff am Main-in des Verstärkers auf dem Oszi ein:
Dateianhang:
Oszillieren_1.jpg

Dateianhang:
Oszillieren_2.jpg
Kanalvergleich

Dateianhang:
Ripple.jpg
Ripple mit 72,3 kHz


Beide Halbwellen des rechten Kanals sind betroffen und lassen ein deutliches oszillieren erkennen. Ab 60 mV eff normalisiert sich der Sinus bei 1kHz und wird bei höherer Aussteuerung unauffällig. Gleichzeitig bleibt der Frequenzeinfluß oberhalb von 1kHz gravierend, da bei einem eingespeißten Sinus von 10 kHz und höher die Verzerrungen deutlich sichtbar zunehmen. Ich habe den Klirr nicht gemessen, gehe jedoch von einer massiven Beeinflussung aus.

Trotz der fehlenden Ruhestromeinstellung des rechten Kanals clipt der Verstärker auch bei höherer Aussteuerung nicht.

Um die Fehlersuche einzugrenzen, habe ich die bekannten Beiträge zu diesem Thema und die speziellen Ratschläge von Andreas (Gulugulu) geprüft. Bisher jedoch ohne Befund.

Hat jemand mit dem oben gezeigten Schadensbild der Endstufe am Oszi schon einmal zu tun gehabt? Ich wäre für einen Tipp dankbar.

Danke & Gruß,
Jens


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BeitragVerfasst: 09.01.2018, 23:07 
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Hallo Jens,

das der Ruhestrom sich nicht einstellen lässt ist schon merkwürdig. Hast Du die Spannung an T332 schon kontrolliert? Hier müssten zwischen Emitter und Kollektor ca. 2,2V sein. Du könntest auch mal den Querstrom in dieser Stufe kontrollieren. An R326 müssten so ca. 640mV anliegen, der Transistor T310 wirkt als Stromquelle. Auf der Gegenseite T308 ist die Ansteuerung und über R318 müsste der gleiche Strom fließen wie durch R326. Ich weiß nicht, ob bei dir der "Ruhestromumbau" durchgeführt wurde, aber wenn R326 noch 47Ohm haben, dann liegen an R318 (68Ohm) ca 0,95V an. Wenn diese Spannungen stimmen, müsste mit VR302 auch eine Spannung zwischen Emitter und Kollektor von T332 einstellbar sein.

Viele Grüße

Rainer


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BeitragVerfasst: 10.01.2018, 12:37 
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Hallo Rainer,

Ich danke Dir, das Du mir helfen möchtest und Dir ein paar Gedanken zu meinem Problem machst. Bevor ich Deine Antwort gestern Abend wahrgenommen hatte, habe ich den Differenzverstärker T302 mit seinen beiden Konstant Stromquellen T304 und T306 durchgemessen, da ich stark angenommen hatte dort den Wurm zu finden. Tatsächlich bin ich fündig geworden, da der Kollektor an der Signaleingangsseite Ue des T302 ein schwingendes Signal am Oszi anzeigt und dieses an den A-Treiber T308 weitergibt. Ein direkter Vergleich am Kollektor des Differenzverstärker im linken Kanal (T301 via T307) zeigt dagegen ein sauberes Signal.

Bild T302 Kollektor Signaleingangseite (Ue) r. Kanal
Bild Vergleich T301 Kollektor Signaleingangseite (Ue) l. Kanal
Bild Signal am Oszi T302

Ich hatte mir den Verstärkeraufbau nach Schaltbild in verschiedene Sektionen eingeteilt, um ihn besser zu verstehen. Da das Schwingen nur im unteren Leistungsbereich entsteht, sollte der Wurm im Differenzverstärkerzweig oder im Spannungsverstärkerzweig zu finden sein.

Bild

Leider hat die Prüfung des Differenzverstärkers durch den Komponententester des Oszi keinen Aufschluss gebracht. alle Anschlüsse von T301 und T302 haben komplett idente Kennkurven geliefert. Außerdem wäre bei einem Schaden des Differenzverstärkers T302 das Problem mit dem Ruhestrom nicht erklärt. Ich habe trotzdem T302/T304/T306 ("2SC3067/2SA970) aus dem Differenzverstärkerzweig neu bestellt und werde diese bei Erhalt in beiden Kanälen tauschen.

In sofern gehe ich nun Deinen Hinweisen im Bereich des A-Treibers (T308) sowie der Konstant Stromquelle T310 sowie dem gesamten Zweig nach. Es macht nach Lage des Fehlers absolut Sinn dort zu suchen. Danke für die Werte, die ich mir erst mühsam im Vergleich mit dem linken Kanal hätte suchen müssen. Den Ruhestromumbau habe ich übrigens bisher noch nicht durchgeführt. Das hole ich nach, wenn er wieder fehlerfrei läuft. Ich melde mich wenn ich Messdaten oder eine Lösung habe.

Viele Grüße,
Jens

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BeitragVerfasst: 12.01.2018, 00:40 
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Hallo Jens,

noch ein kleiner Nachschlag aus aktuellem Anlass. Ich hatte gerade auch das Problem, dass sich bei einer Endstufe der Ruhestrom nicht mehr einstellen lies. Ich habe den Ausgang nicht oszillogafiert, aber Musik in Zimmerlautstärke war ohne Klangeinbuße machbar. Habe dann etwas rumgemessen. Obwohl ich am T332 die ca. 2,4V hatte, stellte sich kein Ruhestrom ein. Habe dann weiter gemessen und festgestellt, dass der Spannungsabfall über R330 ungewöhnlich hoch war. Normalerweise gehen hier ca. 50mV verloren. Hier floss offensichtlich ein zu hoher Basisstrom. Der Grund war dann schnell lokalisiert. R354 (4R7), welcher den Kollektor von T312 mit den 50V versorgt, war hochohmig geworden. Nach provisorischem Austausch mit einem Kohleschichtwiderstand ist der Ruhestrom jetzt wieder einstellbar. Jetzt muss ich nur noch einen neuen Schutzwiderstand besorgen und ich kann die Kiste wieder zu schrauben.

Grüße

Rainer


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